Görzens Mittelalter, zu entdecken

04.02.2020

Das Mittelalter im äußersten Nordosten Italiens - oder im österreichischen Südwesten - wurde ignoriert oder unterschätzt, insbesondere nach dem Aufkommen des Nationalismus im letzten Jahrhundert. Vor allem die der Region, die heute Friaul-Julisch Venetien heißt, und der angrenzenden Gebiete, die so reich an Ereignissen ist, die manchmal außergewöhnlich sind, aber auch Zeugen einer unübertroffenen Harmonie und Koexistenz zwischen verschiedenen Völkern und Kulturen: und vielleicht ist dies der Grund für die Vergessenheit, zu der diese Zeit zwischen dem Ende des 19. und 20. Das Mittelalter unserer Region und der angrenzenden Regionen ist durch zwei Haupteinheiten gekennzeichnet: die Grafschaft Görz und das Patriarchat von Aquileia.

Die Grafschaft Görz, die fünf Jahrhunderte lang die Geschichte des friaulischen Mittelalters mitgeprägt hat, dauerte als Erbe der Habsburger bis 1918. Es ist kein Zufall, dass sie in Österreich noch viel mehr bekannt ist und studiert wird als in Italien. Zwischen den beiden Entitäten hat das Patriarchat von Aquileia - das unter anderem in einer staatlichen Entität mit einem eigenen Parlament organisiert ist - sicherlich relevantere Spuren hinterlassen, vor allem wegen seiner absoluten Bedeutung innerhalb des Christentums, a-national par excellence. Doch sowohl die Grafschaft als auch das Patriarchat, fast immer im Konflikt miteinander, haben den Urhumus dessen geliefert, was man Mitteleuropa nennen wird, d.h. jener sehr hohen Kultur, die sich zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert entwickelte und die vor allem auf dem fruchtbaren Zusammenspiel der drei großen europäischen Zivilisationen, der lateinischen, der slawischen und der germanischen, beruhte. Zwischen Istrien und Tirol, zwischen Budapest und Venedig, auf dem Gebiet des heutigen Friaul-Julisch-Venetien, ist die Weltanschauung mitteleuropäischer Völker, die auch eine glückliche Synthese zwischen verschiedenen Völkern bedeutet, entstanden.